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Gastbeitrag: Die Entwicklung der Frauenrolle in der Fashion-Industrie

Gastbeitrag: Die Entwicklung der Frauenrolle in der Fashion-Industrie

Girl Boss

Die Rolle der Frau in der Fashion-Industrie

Aktuell ist Feminismus in der Modebranche noch ein Nischenthema, das mehr von kleinen als von großen Modefirmen angegangen wird. Zwar ist die Mehrheit der Studierenden an Modeschulen sowie mehr als die Hälfte der Angestellten im Einzelhandel weiblich, entworfen und bestimmt wird die Mode jedoch hauptsächlich von Männern. Laut einer Studie von PwC fallen die Anteile der weiblichen CEOs in der Fashion-Industrie mit 12,5 Prozent und die der Vorstände mit 26 Prozent eher niedrig aus. Das zeigt, dass es bei dem Thema Geschlechtergleichheit noch einiges zu tun gibt. Im folgenden Artikel wird erläutert, wie es um die aktuelle Frauenquote in der Mode steht, warum es Frauen so schwer haben, an die Spitze zu gelangen und welche Frauen es bereits an die Spitze geschafft haben.

Die Frauenquote und ihre Gesetzeslage

Im letzten Jahrhundert haben Frauen bereits durch viele Bewegungen und Proteste für ihre Gleichberechtigung gekämpft und sorgten damit für mehr Unabhängigkeit, Freiheit und ganz neue Karriere-Chancen. Im Jahr 2015 wurde dann endgültig das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ (FüPoG) beschlossen. Damit verpflichtet es die knapp 3.500 börsenorientieren oder mitbestimmenden Unternehmen in Deutschland dazu, Zielgrößen für Frauen im obersten Management oder Vorstand festzulegen. Für negative Schlagzeilen sorgte jedoch im Jahr 2020 das Mutterschutzgesetz. Dieses besagt, dass Vorstandsmitglieder von ihrem Amt zurücktreten müssen, sobald sie sich eine längere Auszeit nach der Geburt ihres Kindes nehmen möchte. Wie es richtig geht, zeigt Norwegen. Bereits im Jahr 2003 führte die Regierung eine 40-Prozent-Quote für Aufsichtsräte staatlicher und börsenorientierter Unternehmen ein.

Die Frauenquote im europäischen Vergleich

Der Gender Equality Index 2020, der das komplexe Konzept der Gleichstellung der Geschlechter misst, zeigt, dass Schweden im europäischen Vergleich mit 83,8 von 100 Punkten auf Platz eins liegt. Dicht darauf folgen Dänemark (77,4 Punkte), Frankreich (75,1 Punkte), Finnland (74,7 Punkte) und die Niederlande (74,1 Punkte). Das Schlusslicht des Rankings bildet Griechenland mit einem Score von 52,2. Deutschland belegt mit 67,5 Punkten auf Platz zwölf. Die Entwicklungen schreiten sehr langsam voran und wenn das Tempo nicht angezogen wird, ist Europa laut dem European Institute for Gender Equality erst in 60 Jahren am Ziel, dass eine Geschlechtergleichstellung herrscht.

Infografik 01

Ein Blick auf die Modebranche zeigt, dass es auch hier schleppend mit der Gleichstellung der Geschlechter vorangeht. Mit einer Frauenquote von nur 11 Prozent bildet Fast Retailing, zu dem auch der Moderiese UNIQLO gehört, laut des Woman on Top of Fashion Reports das Schlusslicht. Spitzenreiter Inditex erreicht mit vier von elf weiblichen Executive-Board-Mitgliedern immerhin eine Frauenquote von 36 Prozent. Zur Inditex-Gruppe gehören Unternehmen wie Zara, PULL&BEAR, Massimo Dutti und Bershka.

Die Herausforderungen für Frauen auf dem Weg zur Führungskraft

Es gibt immer noch einige Barrieren, wenn Frauen in eine Führungsposition aufsteigen möchten. Viele Unternehmen zeigen beispielsweise kein gezieltes Engagement, wenn es um die Geschlechtergleichstellung geht. Zwar werden mehrere Milliarden Dollar für verschiedene Diversity-Schulungen ausgegeben, jedoch hapert es oft an der finalen Umsetzung der hilfreichen Maßnahmen. Hinzu kommt, dass es an internen Messungen fehlt, die die Erfolge über interne Entwicklungen aufzeigen. Eine weitere Barriere ist, dass sich Frauen häufig nur auf Stellen bewerben, wenn die Anforderungen zu 100 Prozent passen wohingegen die Männer sich schon bei einem Fit von rund 60 Prozent bewerben. Frauen dürfen sich ruhig mehr zutrauen. Und auch wenn es um die Familienplanung geht, müssen Frauen immer noch zurückstecken. Sobald eine berufliche Pause eingelegt wird, rückt eine Beförderung in immer weitere Ferne. Dabei gibt es so einige Vorteile, wenn Frauen ein Teil des Managementboards sind. Einige Vorteile sind:

  • Es liegt eine bessere Einschätzung (+37,9 Prozent) der Verbraucherinteressen und Zielgruppen vor.
  • Weibliche Bewerber zeigen eher Interesse an Unternehmen, die sie aufgrund ihrer Diversität als fair empfinden.
  • Frauen im Managementboard haben positiven Einfluss auf die Investitionseffizienz und verhindern riskante Investitionsentscheidungen.
  • Frauen lassen weniger kontroverse Geschäftspraktiken wie Betrug und Manipulation der Gewinne zu

Das sind die Frauen an der Modespitze

Eine Auseinandersetzung mit der Historie und der Gesetzgebung zeigt: Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Schritte in Richtung Gleichberechtigung gegangen. Ab der zweiten Hälfte wurden die Frauen immer aktiver. Bewegungen gründeten sich, die sich für die Gleichstellung einsetzten. Auch die Gesetzeslage entwickelte sich mehr und mehr in Richtung Gleichberechtigung. Frauen in der Mode waren stets ein Teil des Veränderungsprozesses: Designerinnen, Schauspielerinnen und Models wie Coco Chanel, Marlene Dietrich oder Audrey Hepburn standen nicht nur wegen ihres guten Aussehens in der Öffentlichkeit. Dank ihrer Präsenz und ihrer starken Stimmen haben sie bewiesen, dass auch das weibliche Geschlecht dominant sein und Einfluss auf die Gesellschaft nehmen kann.

Vergleicht man die letzten Jahrzehnte mit dem Jahr 2021 sieht man: trotz fortwährend geringer Frauenquote (in Deutschland) gibt es so einige Power-Frauen, die es an die Spitze eines Unternehmens geschafft haben. Ein Beispiel ist Julia Bösch. Sie gründete Outfittery im Jahr 2012 und ist bis heute Unternehmerin aus Leidenschaft. Auch Madeleine Alizadeh gründete 2017 ihr eigenes Modelabel dariadéh. Die Österreicherin und Influencerin achtet dabei ganz besonders auf das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Mit nur 24 Jahren schafft es zudem das Model Stefanie Giesinger, ihr eigenes Modelabel NU-IN zu gründen. Aber diese drei sind noch lange nicht alle Frauen an der Spitze. Viele weitere findest Du im Report zu Woman on Top of Fashion. Wir sind uns sicher, dass auch in den nächsten Jahren viele weitere starke Frauen an der Spitze von Unternehmen stehen werden.

Der Gastbeitrag wurde uns von dem Magazin Lifestyleslab zur Verfügung gestellt. Alle weiterführenden Quellenangaben findet Ihr am Ende des zuvor verlinkten Artikels „Woman on Top of Fashion“.

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