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Made in Portugal – warum lassen viele Modelabels in Portugal produzieren?

Made in Portugal – warum lassen viele Modelabels in Portugal produzieren?

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen, Made in Portugal ist das neue Trendlabel vieler Firmen. Lanius, dariadéh, Recolution und Phyne sind nur eine kleine Auswahl an nachhaltigen Modelabels, die in Portugal produzieren lassen. Was hat es damit auf sich und wie nachhaltig ist die Produktion in Portugal wirklich?

Portugal = Made in Europe und was noch?

Portugal ist den meisten vor allem wegen des Portweins, den schönen Stränden und der Gastronomie ein Begriff. Viele wissen nicht, wie wichtig die Rolle Portugals in der Textilindustrie ist. Ein Blick in den Kleiderschrank kann bereits Aufschluss darüber geben, wenn man die Kleidungsstücke mit dem Etikett Made in Portugal zählt.

Für viele Textilmarken steht dieses Label allerdings in erster Linie für das Zertifikat Made in Europe. Dabei hat Portugal im Hinblick auf die Textilindustrie viel mehr zu bieten als diese drei Worte: Denn die portugiesische Textil- und Bekleidungsindustrie schreibt eine Erfolgsgeschichte, die langsam aber stetig wächst. In Zahlen ausgedrückt heißt das: In Portugal gibt es mehr als 12000 Unternehmen und mehr als 130 000 Beschäftigte in der Textil- und Modebranche mit einem Jahresumsatz von 7,3 Milliarden Euro. (Quelle ATP)

In fast einem Jahrzehnt, nämlich von 2009 bis 2018, hat Portugal 14,8 Prozent seiner Textilfabriken als Folge der Weltwirtschaftskrise geschlossen. Jedoch hat das Land auf der gleichen Seite in Spitzentechnologie investiert, die es Portugal trotzdem ermöglicht hat, Exporte um 51,8 Prozent zu steigern und eine Import-Export Bilanz von +7 Prozent zu erreichen. Das ist ein Zeichen für die wachsende Branche und im letzten Jahr stieg der Umsatz pro Mitarbeiter um 17 Prozent.

Kreativität, Innovation und Arbeitsrechte in Portugal

Portugal hat als Produktionsstätte außerdem einen guten Ruf, weil hier die Bestimmungen des internationalen Arbeitsrechts respektiert und Textilarbeiter gewerkschaftlich organisiert werden. Nördlich von Porto haben viele Produzenten traditionsgemäß ihre Fertigungsstätten. Hier bekommt man den Eindruck von fairen Arbeitsbedingungen und hochwertigen, nachhaltigen Fertigungsprozessen

Das portugiesische Textilmagazin TJornal International des nationalen Textilverbands ATP informiert mehrmals monatlich über Textilfirmen, Trends, Kooperationen, aktuelle Themen, neue Innovationen und vieles mehr.

Paulo Vaz ist der Geschäftsführer des portugiesischen Verbands für Textil- und Bekleidungsindustrie (ATP), der mehr als 500 Unternehmen des Sektors vertritt. Laut ihm müssen „70 Prozent der Textilien der Zukunft erst noch erfunden werden“. Bereits 2019 wurden 25 Prozent der Umsätze in Portugals Textilindustrie mit sogenannten technischen Textilien gemacht – und es sollen mehr werden.

Die Unternehmen setzten dabei auf mehr Kreativität, Innovation, eine bessere Logistik und Unternehmensführung. Denn Portugal profitiert nicht von Preismargen, da das Land hier gegenüber der internationalen Konkurrenz wie China und Co. kaum Chancen hat. Stattdessen setzt Portugal auf Qualität und eine schnelle Anpassungsfähigkeit. Das bedeutet, dass in die Ausbildung und Fortbildung von Mitarbeitern und zukünftigem Personal investiert und neue Technologien und Maschinen in die Produktion integriert werden.

Zukünftig zählt Qualität anstatt Quantität

António Vasco Alves Machado ist der portugiesische Botschafter in Belgien. Er ist überzeugt, dass man zukünftig nicht mehr über die Quantität, sondern die Qualität portugiesischer Textilien sprechen wird. Zudem haben viele Familienunternehmen einen neuen Weg für ihre Traditionen gefunden, die nicht mehr im Widerspruch zur Innovation stehen.

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Zahlreiche Labels arbeiten an und mit Stoffen, die wärmeisolierend sind, thermosensitiv sowie umweltfreundlich. Zusätzlich zu diesen fortschrittlichen Techniken gibt es zudem einen geographischen Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz: Portugal liegt zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. Daher können Lieferungen in Rekordzeit erfüllt werden.

Made in Portugal – unser Fazit

Wie nachhaltig ein Kleidungsstück ist, hängt neben dem Produktionsort letzten Endes von den verwendeten Materialien, Emissionen, den Arbeitsbedingungen und der Pflege der Kleidung ab. Die Bekleidungsindustrie zahlt fast überall auf der Welt gerade einmal annähernd Mindestlöhne in der Produktion. In Ländern, in denen der Lebensstandard niedrig ist, wie in Bangladesch, Indien oder China, setzt dies die Bekleidungsarbeiter einem Risiko für extreme Armut aus.

In Portugal hingegen liegt der Mindestlohn bei 740€ pro Monat und das 14 Mal pro Jahr. Hier wird zudem immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit gedacht und in Innovationen investiert. Natürlich ist eine lokale Produktion immer noch die nachhaltigste Variante, aber für die meisten nachhaltigen Unternehmen einfach nicht leistbar. Zum Vergleich: der Mindestlohn in Deutschland ist gegenüber Portugal ca. doppelt so hoch.

Wie denkt Ihr über das Thema? Habt Ihr auch Kleidung, die in Portugal gefertigt wird in Eurem Kleiderschrank?

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