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Nachhaltige Kleidung von Tchibo auf dem Prüfstand

Nachhaltige Kleidung von Tchibo auf dem Prüfstand

Tchibo nachhaltig

Tchibo (direkt zum Shop*) ist ein Unternehmen, das so gut wie alle Deutschen kennen. Tchibo-Stände finden sich häufig in Supermärkten und mit rund 3 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr gehört Tchibo zu den Großen. Vielleicht sind es diese Fakten, die dazu führen, dass viele Menschen Tchibo in der Nachhaltigkeitsfrage kritisch gegenüberstehen. Wir gehen der Frage auf den Grund, ob und wie nachhaltig Tchibo ist und was das Unternehmen noch besser machen kann.

Tchibo, ein Unternehmen mit  ambitionierten Visionen

Wenn man sich die Website von Tchibo genauer anschaut, wird eins schnell klar: das Unternehmen hat in puncto Nachhaltigkeit zumindest ambitionierte Visionen. Noch 2005 gingen Textilarbeiter/-innen aus Fabriken, die auch für Tchibo produzierten, auf die Straße und machten auf menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen aufmerksam. Seitdem wurde vieles verändert:

Nachhaltigkeit und Fairness

Seit über 10 Jahren sieht es Tchibo mittlerweile als Herzensaufgabe, das eigene Geschäft auf Nachhaltigkeit auszurichten. Nach eigenen Aussagen immer mit dem Fokus auf Mensch und Natur. Das selbstgesteckte Ziel: 100 % nachhaltiges Handeln.

Dafür setzt Tchibo auf nachhaltigen Kaffee, FSC-zertifiziertes Holz, Bio-Baumwolle, eine schadstoffreie Textilproduktion und Recyclingverfahren – das alles und noch mehr gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie von Tchibo. Dazu ist sogar eine Landingpage zum Thema Nachhaltigkeit* auf der Website integriert, die Tchibos Einsatz für die Umwelt gut verdeutlicht.

Sind die Textilien bei Tchibo empfehlenswert?

Tchibo setzt bei den Kollektionen nicht nur auf Siegel, sondern auch auf Langlebigkeit. Folgende Aspekte machen die Mode empfehlenswert:

  • Bis 2021 sollen alle Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle oder recyceltem PET bestehen.
  • Bisher tragen viele Kleidungsstücke die Siegel „GOTS“ oder „Grüner Knopf“. GOTS-zertifizierte Kleidung muss zu mindestens 70 Prozent aus Bio-Naturfasern bestehen, eingesetzte Chemikalien müssen umwelt- und gesundheitsverträglich sein und für die Arbeiter/-innen gelten die Mindeststandards laut ILO. Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Siegel für nachhaltige Textilien, entstanden nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im Jahr 2014 mit über 1.000 Toten. Das Siegel verbindet Mindestanforderungen aus den Bereichen Umwelt- und Sozialverträglichkeit.
  • Mit neuen Initiativen und Programmen bemüht sich Tchibo, das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in das Businessmodel zu integrieren. Zum Beispiel mit dem Nachhaltigkeits-Podcast 5 Tassen Täglich oder Tchibo Share für Kleidung und Co. zum Mieten.
  • Fair Fashion Blogger wie Marie Nasemann arbeiten bereits mit Tchibo zusammen, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit mehr in den Mainstream zu rücken.

5 Tassen täglich – Der Tchibo Podcast

Der Podcast richtet sich an engagierte Menschen, die an einem nachhaltigen Leben interessiert sind. Hier trifft fairer Lifestyle auf Kaffeegenuss: Alle zwei Wochen frisch aufgebrüht.

Wo produziert Tchibo?

Tchibo produziert immer noch zum größten Teil in Asien – darunter China, Bangladesch und Thailand. Im Jahr 2007 hat Tchibo das Trainingsprogramm WE ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen für Arbeiter/-innen vor Ort dauerhaft zu verbessern. Über die Jahre hat Tchibo das Programm in 9 Ländern aufgebaut und in 405 Fabriken integriert.

Einsatz von recycelten Materialien in Kleidung

Die Ressourcen für synthetische Materialien werden zunehmend knapper und Plastikmüll ist ein Problem. Daher ist die Verwendung von recycelten Stoffen in der Textilproduktion in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Weg. Tchibo nutzt neben recyceltem Polyester aus PET zum Beispiel auch das „Ocean Plastic“, bei dem es sich um ECONYL®-Garn* handelt. Die italienische Firma Aquafil sammelt dazu Nylonabfälle aus der ganzen Welt ein: vor allem Stoffreste von Teppichen, die sonst auf dem Müll landen würden, sowie Fischernetze aus Ozeanen und Aquakultur.

Um einen messbaren Umwelteinfluss nachzuweisen und die Transparenz in der Recyclinglieferkette zu erhöhen, arbeitet Tchibo in Kooperation mit der Organisation Textile Exchange. So konnte Tchibo bei allen Projekten mit recycelten synthetischen Fasern Einsparungen bezüglich der Treibhausgasemissionen ermitteln.

Tchibo Share

Tchibo bot zudem bis for Kurzem Kleidung und diverse andere Produkte zur Miete an. Damit war Tchibo ideenreicher und mutiger als viele andere Unternehmen. Hier sind natürlich auch Endverbraucher gefragt, solche Geschäftsmodelle anzunehmen. Was ist nachhaltiger, als Kleidung zu leihen und sie wieder abzugeben, wenn man sie nicht mehr haben möchte?

Leider hat Tchibo das Geschäftsmodell mit folgender Erklärung wieder eingestellt:

Die Produktvermietung ist jedoch nach wie vor ein Nischenmarkt, in dem wir versuchten, uns bestmöglich zu positionieren. Die Bereitstellung eines wirtschaftlich rentablen Miet-Sortiments aus Basics für den Alltag, Highlights für besondere Anlässe und saisonalen Produkten war und ist eine der Herausforderungen, der wir uns täglich gestellt haben. Die Schließung unseres Geschäftspartners kilenda (Relenda GmbH), sowie die Konsequenzen der Corona-Pandemie, hatten Auswirkungen auf unser Miet- und Second Hand-Geschäft, was zu einer abnehmenden Anzahl an Bestellungen führte. Basierend auf diesen Entwicklungen haben wir die Entscheidung getroffen, unseren Online Shop Tchibo Share zum Ende des Jahres 2020 zu schließen. Zukunft braucht Wandel.

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Tchibo

Tchibo Kritik: »Jede Woche eine neue Welt«

Jedes Jahr bringt Tchibo ca. 2000 neue Produkte auf den Markt, die auf aktuellen Trends basieren, um den Inspirationskauf von Kund/-innen anzukurbeln. Das widerspricht dem Nachhaltigkeitsgedanken von gezielten Käufen, einem geringen Verbrauch von Ressourcen und zeitlosen Designs.

Nachhaltigkeit und Massenproduktion sind keine Freunde

Die Preise von Tchibo machen teilweise stutzig: nur ca. 20 Euro für einen nachhaltigen Pyjama? Das kann sich das Unternehmen natürlich nur erlauben, da es in Massen produziert. Wenn man die Tchibo-Preise für GOTS-zertifizierte Kleidung mit anderen Anbietern vergleicht, kann man sich vorstellen, über welche Massen es sich handeln muss.

Auch wenn vieles in Sachen Nachhaltigkeit von Tchibo getan wird, muss einem klar sein, dass Tchibo Massenproduktion betreibt. Und das auch teilweise für Dinge, die wir nicht brauchen. Ich denke da beispielsweise an spezielle Früchteschneider aus Plastik, Handyzubehör und billig produzierte Massagehelfer. Zukünftig sollten gerade Großkonzerne in der Verantwortung stehen, ressourcenschonend zu arbeiten. Hier sind aber auch die Verbraucher gefragt, darauf zu verzichten, diese unnötigen Dinge zu kaufen.

Nichtsdestotrotz ist Tchibo eine gute Möglichkeit, für wenig Geld den Einstieg in ein nachhaltigeres Leben mit zertifizierter Kleidung und nachhaltigen Materialien zu machen. Aber auch hier muss man genau hinschauen, da nicht alles was Tchibo anbietet, aus nachhaltigen Materialien besteht.

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