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Wie Ihr sinnvoll Kleidung spendet

Wie Ihr sinnvoll Kleidung spendet

Mit der aussortierten Kleidung noch was Gutes tun ist der Gedanke, mit dem viele Deutsche die nicht mehr benötigten Textilien in einen Altkleidercontainer werfen. Doch wissen die Meisten nicht, was mit der gespendeten Kleidung dann in Wahrheit passiert.
Immer öfter hört man Kritik an dem System der Altkleiderspenden, doch was ist da dran? Mit diesem Artikel wollen wir Euch das Thema nochmal näher bringen (denn das Thema existiert schon seit über 10 Jahren) und erläutern welche Vor- und Nachteile Kleiderspenden mit sich bringen.

Wie kommt es zu (immer mehr) Kleiderspenden?

In Zeiten von Fast Fashion wird immer schneller immer mehr neue und vor allem auch billige Kleidung in den Markt gedrückt und verkauft, welche dann gar nicht oder nur für einen kurzen Zeitraum getragen wird. Wenn der Kleiderschrank dann mal wieder aus allen Nähten platzt, wird aussortiert und ausgemistet. Da die meisten Kleidungstücke noch in einem guten Zustand sind, werden sie oftmals in die allseits bekannten Altkleidercontainer (z.B. Deutsches Rotes Kreuz, Malteser) gespendet, die man gefühlt an jeder 2. Straßenecke findet. Seit eh und je suggeriert die Altkleiderspende, dass man etwas Gutes tut – dass man etwas, was man im Überfluss hat anderen kostenlos zur Verfügung stellt. Auch „früher“ wurde Kleidung bereits weitergereicht, verkauft oder gespendet, jedoch noch nicht in diesen unvorstellbaren Mengen wie heutzutage.

Heutzutage werden in Deutschland jährlich ca. 750.000 Tonnen Textilien gespendet.

Was passiert mit den Kleiderspenden

Das Verfahren der Kleiderspenden ist teilweise sehr undurchsichtig und auch sehr unterschiedlich. In Deutschland sind nach Schätzungen 40 % der gespendeten Textilien noch in einem so guten Zustand, dass sie als weiterhin tragbar gelten. Von diesen wird üblicherweise ein Teil an Bedürftige gespendet, wobei das bereits auf die jeweilige Organisation ankommt und es auch bei ein und der selben Organisation von Region zu Region Unterschiede gibt. Der größte Anteil wird jedoch weiterverkauft, und zwar primär an große Zwischenhändler oder Second Hand Läden. Die Zwischenhändler verkaufen die Textilien wiederum in die ganze Welt. Wo die Ware hingeht entscheidet sich danach, welche Qualitätsstufe sie hat und welche Kaufkraft in den jeweiligen Ländern gegeben ist. In den Abnehmerländern werden die Kleiderspenden ebenfalls durch die importierenden Händler weiterverkauft, bis die Waren schließlich auf den Märkten und Geschäften zum Verkauf angeboten werden. Ein Großteil der Altkleiderspenden geht nach Afrika oder Osteuropa.
Übrigens wird Kleidung, die nicht mehr tragbar ist, zu Putzlappen, Dämmplatten oder Füllmaterial verarbeitet. Allerdings müssen in Deutschland auch noch ca. 20 % der gespendeten Textilien kostenpflichtig entsorgt.

Verkauf von gespendeter Kleidung

Für viele ist sicherlich verwunderlich, dass die gespendete Kleidung weiterverkauft wird. Denn eigentlich suggeriert das Wort KleiderSPENDE die kostenfreie Weitergabe der Kleidung an Bedürftige. Wie oben bereits erwähnt, macht das jedoch nur einen kleinen Teil aller Kleiderspenden aus. Bei einigen Organisationen dient der Verkauf von Spenden aber gar nicht unmittelbar der Gewinnerzielung, sondern vielmehr um Fixkosten zu decken. Dazu zählen natürlich die Kosten der Altkleidercontainer an sich, das regelmäßig Leeren dieser, Personal zum Sortieren der Textilien, sowie das kostenpflichtige Entsorgen nicht mehr nutzbarer Kleiderspenden. Zudem setzen viele der Organisationen den Erlös aus den Verkäufen für weitere bzw. andere soziale Projekte ein, denn gerade in Deutschland herrscht ein Überangebot an Kleiderspenden, so dass das Geld an anderer Stelle besser aufgehoben ist. Wie Ihr in den unten verlinkten Videos euch ansehen könnt, sieht das leider nicht bei allen Organisationen so aus. Viele NGOs haben in der Vergangenheit nur ihren Namen bereitgestellt und die ganze Abwicklung der Kleiderspenden gegen ein Entgelt an profitorientierte Firmen ausgelagert. Auch wenn hier die erzielten Einnahmen auch in soziale Projekte investiert werden, lässt einen insbesondere die Intransparenz der Geschäftsverpflechtungen doch ein wenig grübeln, ob eigentlich noch das ist, was ursprünglich mit seiner Kleiderspende erreichen wollte.

Die positive Seite von Kleiderspenden

Das Weitergeben, sei es in Form einer Spende oder dem Weiterkauf, verlängert die Lebensdauer von Kleidung und das ist definitiv einer der größten Vorteile bezüglich ökologischer Nachhaltigkeit. Denn damit wird Müll reduziert, was gerade hinsichtlich synthetischer Kleidungsstücke (Thema Mikroplastik) super ist. Zudem werden Ressourcen geschont, die für die Produktion neuer Kleidungsstücke benötigt werden würde (z.B. Wasser und Strom). Und die Umwelt wird durch geringere CO2-Belastungen, Reduktion von Pestiziden usw. geschont.
Hinsichtlich des Umgangs der Spenden liegt der größte Benefit darin, wenn diese die Bedürftigen direkt und kostenlos erreichen. Ein Weiterverkauf, mit dessen Erlös andere soziale Projekte gefördert werden, ist immer dann zu befürworten, wenn die Prozesse und Absatzwege transparent sind und der soziale Gedanke im Vordergrund steht.

Die negative Seite von Kleiderspenden

Leider bringen Kleiderspenden auch einen negativen Impact mit sich, der vielen gar nicht so bewusst ist. Wie zuvor schon berichtet werden viele Textilien an Händler in Afrika verkauft. Man sollte annehmen, dass die Länder sich darüber freuen gut erhaltene Kleidung für wenig Geld zu bekommen, jedoch wird stets diskutiert ob die Kleiderspenden nicht in direkter Konkurrenz zu den heimischen Textilproduktionen stehen. Diese können nämlich mit den niedrigen Preisen nicht mithalten, wodurch der Import von Kleiderspenden die eigenen Arbeitsplätze bedroht. Daher wird in einigen Ländern schon länger der Wunsch nach Einfuhrstopps für Kleiderspenden lauter, um die eigene Produktion wieder anzutreiben. Dabei ist jedoch fraglich, ob Einfuhrstopps von Kleiderspenden aus Europa eventuell nur den Import asiatischer Textilien fördern und nicht die Produktion im eigenen Land.
Ein weiterer Nachteil, der durch Altkleiderspenden und insbesondere durch den Weiterkauf dieser entsteht, sind dem Transport geschuldet. Neben den Kosten, die durch die Transporte anfallen, wird natürlich auch immens viel CO2 emittiert, insbesondere wenn die Textilien nach Afrika verschifft werden. Noch verrückter wird es, wenn man bedenkt, dass ein gewisser Anteil der Kleidung in deutschen Geschäften aus Afrika stammt, um dann nach kurzer Verwendung per Kleiderspende zurück nach Afrika zu gelangen und dort dann günstig verkauft .

Hinzu kommt, dass es neben vielen Organisationen, die wirklich etwas bewegen wollen auch diverse schwarze Schafe gibt, bei denen der Umgang mit Kleiderspenden völlig intransparent ist. Wir haben Euch hierzu mal zwei Youtube Videos verlinkt.
Die Altkleider-Lüge – Wie Spenden zum Geschäft werden (2011)
Marktcheck deckt auf: Das Geschäft mit Altkleidern (2016)

See Also
Kleiderschrank ohne Fast Fashion

Da die Berichterstattung bereits in 2011 zu dem Thema sehr kontrovers war, ob z.B. der Export von Kleiderspenden wirklich die Textilproduktion in Tansania zum Aussterben gebracht hat, lest Euch auch mal die Stellungnahme von Fairwertung durch, die einen anderen Blickwinkel aufzeigt. Unser Fazit ist, dass man schon kritisch an das Thema herangehen soll, aber auch nicht alles kategorisch schlecht ist. Informiert Euch und fragt nach was mit eurer Spende passiert.

So, aber was nun tun mit der nicht mehr benötigten Kleidung?

Kleidung, die noch getragen werden kann, die man aber nicht mehr schön findet, sollte man weitergeben oder bei vorhandener Kreativität upcyceln. Wenn es ums weitergeben geht, hatten wir ja erwähnt, dass man die Kleidung tauschen, verkaufen oder verschenken/spenden kann. Der umweltfreundlichste Weg ist, wenn Ihr das ganze lokal in eurer Stadt macht. Mittlerweile gibt es ja schon eine Vielzahl an lokalen Second Hand Shops mit und ohne sozialen Charakter, Kleidertauschpartys oder Flohmärkte. Wenn ihr eure Kleidung spenden wollt könnt Ihr ansässige Kleiderkammern, soziale Einrichtungen und Verbände, wie auch Kirchen oder Sozialkaufhäuser aufsuchen und direkt Infos zum Umgang der Spenden aus erster Hand bekommen.
Wenn ihr Altkleidercontainern nutzt, achtet bitte auf die Kennzeichnung dieser und schaut kurz im Internet nach, ob diese auch wirklich Bedürftige versorgen bzw. ob ein transparentes und nachhaltiges Konzept vorliegt. Wir empfehlen auf die Kennzeichnung FairWertung Wert zulegen.

Wir hoffen wir konnten euch hiermit einen kleinen Überblick zum Thema Kleiderspende geben. Habt Ihr noch Ideen, wie und wo man Kleider sinnvoll spenden, tauschen oder verkaufen kann? Dann hinterlasst uns einen Kommentar.

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