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Interview mit dem Modelabel Nina Rein

Interview mit dem Modelabel Nina Rein

Nina Rein Nachhaltige Kleidung

Das nachhaltige Label NINA REIN steht für umweltfreundliche Kleidung, die für Powerfrauen entworfen wurde. Der Stil ist elegant, clean, minimalistisch und farbenfroh. Die Frauen hinter Nina Rein, Julia Ickert und Susanne Kinast, lieben Mode – aber nicht um jeden Preis. Mit ihrer Arbeit wollen sie die Umwelt und Menschen in der Modeindustrie sowie die Endverbraucher schützen.

Wir wollen die Modeindustrie verändern und Kleidung wieder zu einem geschätzten Produkt machen, weg von Fast Fashion und der Wegwerf-Mentalität, die gerade vorherrscht.

Nina Rein

Aus diesem Grund fertigt Nina Rein langlebige Kleidung in einem zeitlosen Design an. Hergestellt aus nachwachsenden Ressourcen, wie Bio-Baumwolle, Bio-Wolle, Perlmutt oder Holz. Verwendete Lyocellfasern stammen aus dem Holz nachhaltiger Forstwirtschaft. Nina Rein verwendet zudem ein umweltfreundliches und zertifiziertes Herstellungsverfahren für die Faserherstellung. Außerdem sorgen geschlossene Kreislaufsysteme für ein Minimum an Umweltbelastung.

Beim Anbau von Bio-Rohstoffen wird auf chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel, die Mensch und Natur schaden, verzichtet. Die Färbemittel, die im weiteren Herstellungsprozess von Bio-Stoffen verwendet werden, sind umweltschonend. Unsere Lieferanten stellen die Stoffe in geschlossenen Kreislaufsystemen her und wir achten sehr genau darauf, dass alle Stoffe zertifiziert sind.

Nina Rein

Nachhaltige-kleidung.de hat sich mit Julia und Susanne unterhalten und ein spannendes Interview geführt, das wir euch nicht vorenthalten möchten:

1. Wie ist Nina Rein entstanden?

Angefangen hat alles, mit der Gründung 2018. Als gelernte Modedesignerin hat Julia nach ihrem Studium in verschiedenen Unternehmen im Design gearbeitet. Als ihr Sohn auf die Welt gekommen ist, hat sie angefangen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Zuerst nur bei Nahrungsmitteln, dann aber Schritt für Schritt auch in anderen Lebensbereichen. Für sie hat die konventionelle Textilherstellung irgendwann einfach keinen Sinn mehr gemacht.

Als Julia wieder im Design arbeiten wollte, war sie auf der Suche nach einer schönen, femininen Kollektion. Als Designer/-in kann man sich nicht total verbiegen und muss Kleidung entwerfen, von der man überzeugt ist. Gleichzeitig sollte die Firma aber in Sachen Qualität und Umweltbewusstsein ihren Anforderungen gerecht werden. Nachdem Julia keine Marke finden konnte, die all diese Kriterien erfüllte, wurde sie kurzerhand zur Gründerin.

2. Was war die Motivation hinter der Gründung von Nina Rein?

„Man muss nicht öko aussehen, um die Welt zu retten“. Das ist schon lange Julias Motto und das wollte sie auch umsetzen. 

3. Warum der Name Nina Rein?

Das ganze Projekt, eine neue Marke zu gründen, ist eine Herzensangelegenheit. Es geht dabei um unsere Umwelt, die endlich besser behandelt werden muss. Und es geht auch ums Prinzip und um Prinzipien: Warum sollte ich Kleidung entwerfen, die ich selbst nicht guten Gewissens tragen könnte?

Deshalb konnte ich keinen besseren Namen finden als NINA REIN, der Mädchenname meiner Mama. Sie hat mir all diese guten Werte und Prinzipien mit auf den Weg gegeben. Ich schätze sehr, was sie geleistet hat und bin ihr zutiefst dankbar für ihre Unterstützung in jeder Lebenslage.

4. Was ist die Verbindung von euch beiden Gründerinnen?

Wir haben viele Gemeinsamkeiten, wir sind beide Mamas, lieben unseren Beruf und vertreten die Meinung, dass Nachhaltigkeit und Mode ein super Match sind. 

5. Könnt ihr euren Werdegang kurz erläutern?

Wir waren beide lange Zeit in der konventionellen Mode tätig. Julia als Designerin und Susanne im Marketing & Sales. Wir haben durch unsere offene Art viel gelernt und auch viele weitere Bereiche, wie beispielsweise den Einkauf oder das Produktmanagement kennengelernt. Es ist eine spannende Branche und wir hatten beide eine gute Zeit in unseren früheren Berufen. Mit der Zeit haben sich aber unsere  Bedürfnisse verändert. Vor allem seit  wir Kinder haben.

„Die Verantwortung für unsere Kinder hat uns die Missstände im Textilsektor noch einmal in einem ganz anderen Licht sehen lassen.  Wir sind einfach nicht mehr bereit das weiter so hinzunehmen.“

Nina Rein

Julia Ickert ist gelernte Modedesignerin und hat vor Ihrer Selbständigkeit bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Sie hat 2018 die Marke NINA REIN gegründet. Sie war auf der Suche nach einer schönen, femininen Kollektion. Gleichzeitig sollte sie aber in Design, Qualität und Umweltbewusstsein den Anforderungen einer selbstbewussten, aufgeklärten, modernen Frau gerecht werden. Diese hohen Ansprüche konnte bislang keine Marke nach Julias Vorstellungen erfüllen, also wurde sie zur Gründerin. 

Susanne Kinast ist Dipl.-Kauffrau, seit 2005 ist sie im Bereich Marketing und Vertrieb international in der Modeindustrie tätig. Auch sie wurde sich immer mehr bewusst wie umweltschädlich herkömmliche Mode ist und wollte das nicht weiter unterstützen. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung im Bereich fairer Mode, hat Susanne von NINA REIN erfahren. Sie konnte sich sofort mit der Philosophie der Marke identifizieren und entwickelt nun, zusammen mit Julia, NINA REIN weiter.

6. Welche Dinge, die ihr innerhalb des Werdegangs gelernt habt, sind heute nützlich für eure Selbstständigkeit?

Wir haben beide unsere Berufe in großen Firmen ausprobiert und dort sehr viel gelernt und gesehen. Natürlich ist das nützlich, sich erst selbständig zu machen, wenn man schon in dem Bereich tätig war. Wir wissen beide was alles dazugehört um aus einer Idee ein verkaufsfähiges Produkt zu machen. Und wir kennen die typischen Zyklen der Modeindustrie. Das macht die Zusammenarbeit einfacher. 

Aber auch unsere strukturierte Arbeitsweise ist für uns wichtig. Wir haben hohe Anforderungen an unsere Kleidung und die Präsentation und das erreichen wir nur wenn wir als Team gut funktionieren. 

8. Wie definiert ihr Nachhaltigkeit?

Unser Ansatz ist die gesamte Produktions- und Lieferkette vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück bewusst zu wählen und auf Nachhaltigkeit bei jedem Schritt zu achten.

Nina Rein

Da wir nicht bei der Herstellung jedes einzelnen Materials dabei sein können, verlassen wir uns auf Textilsiegel wie GOTS oder Oekotex100. Bei der Verarbeitung der Stoffe zu Kleidung, achten wir darauf, so wenig Reste wie nur möglich zu produzieren oder diese Reste zu weiteren Produkten zu verarbeiten. Wir setzen auf moderne Technik, wie Laser-Treatments, um die Waschung von Jeans nachzuahmen. Herkömmliches „Washing“ ist sehr umweltschädlich und belastet die Gesundheit der Arbeiter und die Umwelt extrem. Bei unseren Denims ist das nicht der Fall.

Ein anderer wichtiger Punkt ist das Design. Wir bieten zeitlose Kleidung an. Unsere Kundinnen können die Teile mehrere Jahre tragen. Wir schaffen keine Trends, die nur wenige Tage aktuell sind und dann im schlimmsten Fall im Müll landen. Durch hohe Qualität bei der Verarbeitung, schaffen wir langlebige Artikel.

Schlussendlich achten wir auch auf kurze Transportwege. Die meisten Stoffe werden in Europa produziert und auch in Europa weiterverarbeitet. Zum Versenden nutzen wir immer klimaneutralen Versand, d.h. die entstandenen Treibhausgasemissionen werden mit GO GREEN Versand neutralisiert. Der Ausgleich erfolgt über international anerkannte Klimaschutzprojekte. Ressourcenschonend ist auch unser Wirken in der Sharing Economy. Wir arbeiten mit Plattformen zusammen, die unsere Kleidung verleihen, damit möglichst viele Frauen einen einfacheren Zugang zu Slow Fashion haben.

9. Woher kommen die Nina Rein Stoffe und wo wird produziert?

90% (Tendenz steigend) unserer Stoffe beziehen wir aus Europa. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Transportemissionen, hohe Standards für Arbeitssicherheit sowie Nachhaltigkeit. Außerdem unterstützen wir lokales Know-How, das man braucht, um überhaupt so hochwertige Stoffe produzieren zu können. 

Die Fertigung erfolgt in Betrieben mit fairen Arbeitsbedingungen und unter Einhaltung hoher Sicherheitsstandards. Unsere Bezahlung ist fair und soll allen Beteiligten ein Leben ohne Armut ermöglichen. Wir unterstützen Frauen in ihrer Selbständigkeit und arbeiten direkt mit unseren Schnittmacherinnen und Näherinnen in Litauen zusammen.

10.  Wie viele Kollektionen macht ihr pro Jahr?

Wir machen 2 Kollektionen, eine Sommer- und eine Winterkollektion. 

11. Tragt ihr eure Mode selbst? Was sind eure Lieblingsteile aus der aktuellen Kollektion?

Auf jeden Fall, nur so können wir ein Produkt garantieren, das den Bedürfnissen von Powerfrauen gerecht wird.

Julia zieht alles gerne an, je nach Anlass und Jahreszeit. Aktuell ist das petrolfarbene Kleid mein Allrounder, mit unterschiedlichen Strümpfen und Gürteln. Oder, wenn es hell sein darf, die roséfarbene Wollhose.

Susannes Lieblingsteil ist das ganze Jahr über die Jeans. Momentan in Kombination mit dem grauen Wollblazer, mit dem sie sofort total kompetent aussieht, egal um was es geht. 

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12. Was sind die Herausforderungen mit einer nachhaltigen Marke?

Die Herausforderungen mit einer nachhaltigen Marke sind groß. Wir können nicht einfach den günstigsten Partner in der Herstellung suchen, sondern wir brauchen Firmen, die die gleichen Werte verfolgen wie wir. Die Auswahl ist schwieriger wenn es um weniger offensichtliche Merkmale als den Preis geht. 

Wir müssen auch die passenden Kunden auf uns aufmerksam machen. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Viele Menschen können und wollen sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen herkömmliche Kleidung hergestellt wird. Aber ohne dieses Wissen ist es schwer zu verstehen, dass nachhaltige Kleidung den richtigen Preis hat und auch einen höheren Wert hat.

Nina Rein

13. Von welchen Marken lasst ihr euch inspirieren?

Das ist schwierig zu beantworten. Wir lassen uns von allem inspirieren, was um uns herum ist. Dazu gehören zwar auch Marken, aber nicht nur im Modebereich. Für uns sind auch Gespräche oder Wünsche von Frauen an ihre Kleidung eine total wichtige Inspirationsquelle. Wir hören unseren Kundinnen zu und erfüllen gerne die Wünsche, die sie an ihre Kleidung haben. 

14. Welche Zielgruppe hat Nina Rein?

Unsere Zielgruppe sind berufstätige Frauen im Alter von 30-55 Jahren. Unsere Kundinnen bevorzugen nachhaltige Produkte und tragen zumindest manchmal Business Outfits. Sie haben hohe Qualitätsansprüche an ihre Kleidung, die wir gerne erfüllen.

15. Was wünscht ihr euch für die Nachhaltigkeitsbewegung?

Wir wünschen uns einen Wandel in der Gesellschaft, weg von der Wegwerf-Mentalität hin zu bewusstem Konsum mit Wertschätzung in allen Bereichen. Und wir freuen uns wenn immer mehr Unternehmen sich für einen nachhaltigeren Weg entscheiden, so klein die Schritte auch sein mögen. Aber je mehr nachhaltige Angebote es gibt, umso weniger ist man auf die nicht-nachhaltigen Varianten angewiesen. 

Für die Mode heißt es für uns schöne Kleidung nachhaltig produziert, die mehrere Saisons getragen wird.

16.  Habt ihr Vorbilder? Wenn ja, welche?

Ja, viele. Es gibt niemanden, den wir komplett kopieren wollen, aber wir schauen uns natürlich von vielen Menschen etwas ab. Vor allem von denen, die nicht nur den eigenen Profit in den Vordergrund stellen, sondern auch uneigennützig handeln.

Sylvia Earle. Sie setzt sich für den Meeresschutz ein. Sie zeigt die verborgenen Schätze unter Wasser und welche Auswirkungen wir Menschen auf diese haben, wenn wir nicht anfangen Rücksicht zu nehmen in unserem Alltag. 

Und außerdem auch Stilikonen wie Coco Chanel, Audrey Hepburn und Sophia Loren. 

17.  Habt ihr Buchempfehlungen oder Empfehlungen für Filme zu dem Thema Nachhaltigkeit / nachhaltige Kleidung?

Filme: True Cost*, Mission Blue*, A Plastic Ocean*

Buchempfehlung: Nachhaltig leben JETZT, von Mimi Sewalski*

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