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Recycling statt wegwerfen – der Kampf gegen die Kleiderflut

Recycling statt wegwerfen – der Kampf gegen die Kleiderflut

PET Recycling Mode

Sneaker aus recyceltem Plastik, Rucksäcke aus PET und Jeanshosen aus alten Shirts – immer mehr Firmen bieten recycelte Kleidungsstücke an. Welche Methoden in puncto Recycling gibt es eigentlich und wie nachhaltig sind diese wirklich? 

Fast Fashion und Massenware

Fast Fashion und die damit einhergehende Überproduktion von Kleidungsstücken führen dazu, dass viele den Kleiderschrank regelmäßig auffüllen, um ihn dann wieder auszumisten. Im Fokus steht: Platz für Neues schaffen. Die alten Textilien landen dann oft einfach im Müll, auf dem Dachboden oder in Altkleidercontainern. In einem Jahr kommen ca. 1,35 Millionen Tonnen abgetragene Kleidung aus privaten Haushalten zusammen. Das ist erschreckend, aber auch kein Wunder bei der Masse an Produkten und Billigpreisen, die unterschiedliche Firmen heutzutage anbieten. Altkleidercontainer klingen erstmal nach der nachhaltigsten Lösung, jedoch profitieren hier nachweislich häufig große Firmen.

Die Entsorgung von Kleidung in Altkleidercontainern

Wer alte Kleidung in den Containern entsorgt, ist überzeugt: die Kleidung wird künftig für Obdachlose genutzt oder in arme Länder exportiert. Die Wahrheit sieht leider anders aus: In der Regel kommt lediglich ein geringer Anteil für einen guten Zweck in Gebrauch. Das liegt unter anderem daran, dass illegal Kleidercontainer aufgestellt werden, die in der Regel am Logo zu erkennen sind. Mit den alten Kleidungsstücken können die Altkleidercontainer-Besitzer ein lukratives Geschäft machen. Die Ware wird sortiert und weiterverkauft. Das Geschäft mit den Altkleiderspenden haben wir bereits in diesem Artikel beschrieben.

Recycling für mehr Nachhaltigkeit

Immer mehr Menschen legen Wert auf nachhaltige Kleidung und machen sich auch Gedanken zur Produktion ihrer Kleidung. Dies zwingt mittlerweile auch große Ketten wie H&M auf den Zug aufzuspringen und sich ein Stück weit nachhaltiger aufzustellen. Eine Methode der Nachhaltigkeit ist z.B. das Recyceln.

Was genau versteht man unter recycelter Kleidung eigentlich?

Recycelte Kleidung beschreibt eine Wiederaufbereitung eines Materials. Das bereits verwendete Produkt wird zerlegt und neu verwertet. Klingt zunächst simpel, ist es aber nicht.

Die Herausforderungen des Recyclings

1. Die Stofffasern leiden: Um ein Kleidungsstück zu recyceln, muss der alte Stoff zerlegt werden, wodurch die Faser leidet. Somit kann es passieren, dass das neue Endprodukt eine schlechtere Qualität aufweist als das alte.

2. Mischgewebe: Zudem bestehen viele Kleidungsstücke aus Mischgeweben wie z.B. Wolle & Polyester – Kombinationen. Für die Wiederverwertung müssen die Stoffe voneinander getrennt werden. Die Zerlegung der miteinander verwobenen Fasern, bringt das Textilrecycling an seine Grenzen.

3. Techniken, die viel Energie und Geld kosten: Die bisherigen Verfahren sind teuer, technisch kompliziert und benötigen viel Energie. Somit lohnt es sich bisher für viele Unternehmen wirtschaftlich nicht, recycelte Kleidung anzubieten.

4. Plastik-Kreislauf bleibt bestehen: Kleidungsstücke aus recyceltem Polyester können nicht endlos wiederverwendet werden und bleiben somit im Plastik-Kreislauf bestehen. 

PET – Recycling 

PET Recycling Mode

PET steht für Polyethylenterephthalat und ist eine Polyesterart, die z.B. für Einwegflaschen verwendet wird. PET wird aus Erdöl hergestellt und ist nicht ökologisch abbaubar. PET ist also erstmal alles andere als nachhaltig. Jedoch bestehen zwei unterschiedliche Möglichkeiten für eine Wiederverwertung des Stoffes:
PET kann durch ein chemisches Recycling wiederverwendet werden, das jedoch sehr kostenintensiv und lediglich für große Mengen geeignet ist. Daher ist eine gängigere Methode das mechanische Recycling. Dabei werden PET- Flaschen gewaschen, zerkleinert und geschmolzen. Daraus entstehen dünne Fäden, die zu Polyester- Fasern verarbeitet werden. Um einmal in Zahlen zu verdeutlichen, um welche Verhältnisse es sich hier handelt: Fünf mittelgroße PET-Flaschen reichen für ein großes Shirt.

Insgesamt ist der Energie- und Wasserverbrauch hierbei um ein Vielfaches geringer als bei der üblichen Herstellung von chemischen Fasern. Der Grundgedanke ist ideal, allerdings steht das Recyclen von Plastik in der Kritik. Bei der Weiterverwendung von PET wird bei der Herstellung der krebserregende Katalysator Antimontrioxid eingesetzt – somit bleibt im Material ein Schadstoff erhalten. Außerdem wird das Plastikproblem mithilfe von diesen Recycling-Prozessen nicht verbessert. Der nachhaltige Nutzen von recyceltem PET ist somit kurz und mittelfristig gegeben, langfristig sollte es aber nur eine Zwischenstation für nachhaltige Kleidung bleiben. 

Aussicht

Trotz einiger Nachteile und Herausforderungen leistet recyceltes Plastik dennoch einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. Denn das Recyceln von altem Plastik leistet einen wertvollen Beitrag zur Reduzierung von Abfall und für die Erhaltung von Rohstoffen. 

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Illustration TV

Das Recycling von Baumwolle

Recycelte Baumwollfaser werden aus alten Textilien oder Stoffresten gewonnen. Bei dem mechanischen Verfahren werden die Textilien zunächst nach Farben sortiert, zu Fasern zerkleinert und anschließend zu neuen Garnen versponnen. Leider ist die Qualität des neuen Produkts vermindert und so müssen in der Regel neue Fasern beigemischt werden.

Aussicht

Auch in Bezug auf Baumwolle ist Recycling nicht zu verachten. Denn für ihre Produktion werden nach wie vor Unmengen an Pestiziden und Düngern verwendet, um Baumwolle zu produzieren. Beim Recycling alter Baumwolle werden diese Stoffe nicht benötigt. Auch der hohe Wasserverbrauch für die Herstellung von Baumwolle ist für die Wiederverwendung nicht notwendig.

Do it yourself! Kleidung ein neues Leben schenken

Abschließend möchten wir euch noch ein paar Alltagstipps mit auf den Weg geben, wie ihr auf direktem Weg eure persönliche Kleidung recyceln oder weiterverwenden könnt. Falls dir ein Teil nicht mehr gefällt, kannst du es über Apps wie Vinted oder Mädchenflohmarkt* verkaufen und mit Sicherheit jemanden glücklich machen. Eine weitere Möglichkeit ist das Verkaufen auf Flohmärkten. Hast du auch schon mal ein Teil bei einer Freundin gesehen was dir gefällt, aber deine Freundin trägt das Teil gar nicht mehr? Dann macht doch einfach eine Kleidertauschparty!

Ihr könnt außerdem Stoff zerschneiden und daraus Putzlappen, Abschminkpads oder Kissenhüllen machen. Probiert es doch einfach mal aus! 

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